21h

+++ LADO B

“Não posso negar o que já li,

nem posso esquecer onde vivo.

Nego-me a folclorizar meu subdesenvolvimento

para compensar as dificuldades técnicas.”

(Caetano Veloso)

A proposta dessas noites no wendel (www.nstp.de) é apresentar uma seleção de músicas brasileiras que se relacionam com o movimento «Tropicália» dos anos 60-70. Como esse período ainda é pouco conhecido por parte do público alemão, o convite é estendido pela curiosidade de se reconhecer nos trabalhos de Caetano Veloso, Gilberto Gil, Os Mutantes, entre outros um pouco da cena cultural brasileira desenvolvida em um período histórico que se autodenominou como «neo-antropofágico».

O conceito de «Antropofagia» foi elaborado pelo escritor brasileiro Oswald de Andrade no início do século passado. Segundo ele, somente a antropofagia pode nos unir socialmente, economicamente, filosoficamente: «Só me interessa o que não é meu. Lei do homem. Lei do antropófago.» Esse tema desencadeou uma revisão cultural desassociada de mitos nacionalistas, desdobrando outras possibilidades de relação com as importações. A mistura entre os fatos da cultura local com as apropriações estrangeiras vieram a creditar a idéia de mestiçagem, potencializando as produções artísticas brasileiras ao longo do tempo.

“Ich kann nicht verleugnen, was ich gelesen habe,

noch kann ich vergessen, woher ich komme.

Ich weigere mich, meine Unterentwickeltheit zu folklorisieren,

um Unzulänglichkeiten auszugleichen.“

(Caetano Veloso)

Erklärtes Anliegen von LADO B im wendel (www.nstp.de) ist es, einen Ausschnitt derjenigen brasilianischen Populärmusik vorzustellen, die im engeren Sinne der ’Tropicália’, einer nationalen künstlerisch-politischen Bewegung der 60er und 70er Jahre, zuzuordnen ist. Da diese Bewegung einem breiteren deutschen Publikum eher weniger bekannt ist, wendet sich diese Einladung speziell an ein vorhandenes Interesse, in den Arbeiten solcher ihrer (musikalischen) Hauptvertreter wie Caetano Veloso, Gilberto Gil, den ’Os Mutantes’ sowie anderer ein wenig über die brasilianische Kulturszene in Erfahrung zu bringen, wie sie sich in einer Epoche ereignete, die sich als „neo-anthropophagisch“ selbstbeschrieben hat.

Das allen zeitgenössischen brasilianischen Kulturströmungen geläufige und nicht selten leitende Konzept der ’Antropofágia’ (wörtlich soviel wie ’Menschenfresserei’) ist von dem brasilianischen Schriftsteller Oswald de Andrade zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts ausgearbeitet und als ein Manifest ausgerufen worden und hat ein auf Kunst und Kultur bezogenes Verschlingen dessen zum Ziele, was – umständlich ausgedrückt – nicht aus dem ’Eigenen’ hervorgeht. Ihm zufolge besitzt lediglich die Anthropophagie jene Kraft, uns alle in sozialer, ökonomischer und geistiger Hinsicht zu einen: „Mich interessiert nur, was nicht (zu) mir gehört. Dies ist gesetzt für den Menschen, gesetzt für den Kannibalen.“

Die auch unter dem Namen ’Tropicalismo’ – als Bezeichnung für die Gesamtheit der sie verbindenden Ziele – bekannte Bewegung schuf nun diesbezüglich einen erweiterten Modus des Sich-in-Beziehung-Setzens zu Kulturimporten, was den innerbrasilianischen Identitätskonflikt durch eine von nationalistischer Legendenbildung losgelöste Rückschau einzuebnen half.

So sollte die Mischung der heimischen Kultur mit den Aneignungen des Fremden die Idee der mestiçagem, des experimentellen Ineinanderfügens von an und für sich Disparatem, weiterentwickeln und so die schöpferische Potenz der brasilianischen Künstler und der durch sie geschaffenen Werke durch die Zeiten hindurch gewährleisten und vermehren.

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